|
Der alter Apotheker ............ „Ja, Erwin, du kommst schon?" begrüßte ihn seine Mutter mit dünner Stimme. Er kam nie so früh von der Arbeit. Erwin sah sie erstaunt an. Sie wollte doch mit Babette zum Friedhof. Umständlich zog er seine Stiefel aus, hängte seine Jacke über einen Kleiderbügel an der Garderobe und setzte sich zur ihr an den Tisch. „Der Geselle vom alten Krauter ist tot. In der Apotheke gestorben." Erwin sah seine Mutter an. Sie blickte stumm auf das weiße Tischtuch und ihre Wangen nahmen fast die gleiche Farbe an. Unerwartet stürzte Babette mit weit aufgerissenen Augen aus der Küche. „Wieso tot?" schrie sie aufgeregt. Ihre hohe schrille Stimme schmerzte in Erwins Ohren. „Und das in der Apotheke! Da stimmt doch was nicht? Was ist passiert? Erwin, jetzt mach' halt einmal den Mund auf. Du wirst's doch wissen?" In der Eile überschlugen sich ihre Worte fast. Doch Erwin sagte nichts mehr. Er hatte alles gesagt. „Ja, und was ist jetzt? Was sagt Sebastian? Ist die Apotheke wieder geschlossen?" Babette setzte sich nun ebenfalls auf einen Stuhl. „Und die Polizei? Jemand muß doch die Polizei holen?" „Die war schon da! Herzversagen. Aber die Apotheke ist wieder zu." Erwin nahm die Hand seiner Mutter und erschrak. Sie fühlte sich so kalt an. „Mutter, keine Angst. Es wird schon wieder aufgemacht!" Erwin betrachtete besorgt ihr Gesicht, das allmählich eine leicht gelbliche Farbe annahm. Vor Schreck, dachte er. Plötzlich spürte er jedoch, wie ihre Finger immer heftiger zitterten, sie die Augen weit aufriß und den Mund aufsperrte, als wollte sie einen Ball verschlucken. Dann begann sie zu röcheln. Ein wilder Krampf erschütterte ihren Körper. „Mutter, Mutter!" schrie Erwin entsetzt auf und versuchte, sie hochzunehmen. Er packte sie mit seinen breiten Händen und schleppte sie zum Sofa. Babette stand daneben und hielt sich die Hand vor den Mund. Oh, Gott! Das Pulver, ging es ihr durch den Kopf! Der Körper von Marie Töbel zuckte noch einmal auf, dann lag sie ganz ruhig mit weit aufgerissen Augen in den Armen ihres Sohnes. Erwin konnte nicht begreifen, was soeben geschehen war. Fragend sah er zu Babette. „Sie ist gestorben, Erwin!" krächzte sie laut. „Oh, mein Gott!, Oh, mein Gott!" Erwin legte seine Mutter auf das Sofa und kniete sich daneben. Er streichelte ...................
Aus: Schauplatz Apotheke -Zwei kriminalistische Erzählungen Von: Ilse Burkert-Sauer Zu beziehen unter: Peter.Koch@t-online.de Preis: 19,80 DM (zzgl. Versandkosten) Ab: 01.12.2000
|
|